Unser Gehirn ist programmiert, um uns das Leben und Überleben möglich zu machen. Entsprechend viel zu tun hat das Denkorgan. Wurde früher noch angenommen, dass sich das Gehirn zumindest in Phasen, in denen wir keine mental anstrengenden Aufgaben durchführen, weniger aktiv ist, so haben mehrere Studien mittlerweile das Gegenteil bewiesen: Auch in diesen vermeintlichen kognitiven Ruhephasen arbeitet das Gehirn mindestens genauso intensiv, wie beim angestrengten Denken. Die Gehirnaktivität senkt sich also insgesamt nie, allerdings werden im Ruhezustand ganz andere Hirnregionen aktiver. Gesamtheitlich stellen diese Hirnteile ein Netzwerk dar: Das sogenannte Default Mode Network (DMN), auf Deutsch bekannt als Leerlaufnetzwerk oder Ruhezustandsnetzwerk. Das DMN hat ganz konkrete Auswirkungen auf unser alltägliches Leben, kann aber auch von uns selbst aktiv beeinflusst werden.

Das Default Mode Network

Lange wurde angenommen, dass unsere generelle Gehirnaktivität stark fluktuiert basierend auf der zu erbringenden Denkleistung in einem jeden Moment. Im Jahre 2001 gelang es dann aber dem US-amerikanischen Neurowissenschaftler Marcus Raichle von der Washington University School of Medicine zu beweisen, dass dies so nicht stimmt. Raichle und sein Forscherteam verglichen die Gehirnaktivität von Probanden, die zunächst nichts weiter tun mussten als einfach herumzusitzen und ihre Augen zu schließen, aber daraufhin stark konzentriert anspruchsvolle Denkaufgaben zu lösen hatten. Die Auswertung der Untersuchung zeigte, dass sich die Gehirnaktivität gesamtheitlich kaum veränderte. Allerdings waren im vermeintlichen „Ruhezustand“ andere Hirnareale aktiv, die in Folge der stärkeren Konzentration der Probanden nachfolgend heruntergefahren bzw. weniger aktiv wurden, woraufhin dagegen die verschiedenen Denkareale des Gehirns hochgefahren bzw. stärker aktiv waren.

Der Versuch zeigte zum einen, dass unser Gehirn grundsätzlich immer eine gleich starke Leistung erbringt, aber je nach Situation andere Hirnareale stärker bzw. schwächer aktiviert sind. Zum anderen folgte aus der Analyse der Studie, dass unser Gehirn einen standardmäßigen Leerlaufmodus hat, der nur dann unterbrochen wird, falls wir andere Teile unseres Gehirns benötigen. Die an dem Leerlaufmodus beteiligten Hirngebiete sind entsprechend Teil des Leerlaufnetzwerks (oder auch Ruhezustandsnetzwerks), besser bekannt unter dem englischen Namen Default Mode Network.

Was das Default Mode Network mit uns macht

Genauso wie die Erkenntnis über seine Existenz, konnten verschiedene Untersuchungen in den letzten Jahren vermehrt die Wichtigkeit des Default Mode Networks aufzeigen. Das Leerlaufnetzwerk ist entscheidend an der Erzeugung unseres „Ich-Bewusstseins“ beteiligt. Die Hirnprozesse des Netzwerks sind diejenigen, die uns in vermeintlich ruhigen Momenten in Gedanken abschweifen lassen. Im Best Case Szenario lässt uns das DMN dabei in positive Tagträume versinken, beispielsweise durch das Durchspielen eines Phantasieszenarios, in dem wir als Helden auftreten. Die Gedankenspiele können auch wichtig sein, um aus Fehlern zu lernen und um Standpunkte konstruktiv zu überdenken.

Doch leider wirkt der Leerlaufprozess nicht immer so gütig. Nicht selten lässt uns das DMN mit vermeintlichen Problemen auseinandersetzen, die nicht zu lösen sind. Wir tendieren dazu, unsere Vergangenheit zu analysieren und/oder unsere Zukunft zu projizieren, statt im Hier und Jetzt zu leben. Das DMN lässt uns dabei stark bewertend denken. Lebensentscheidungen aus der Vergangenheit werden bewertet, Zukunftsaussichten neu eingeschätzt, usw. Fragen wie „Habe ich mich da richtig verhalten“ oder „Was soll daraus nur werden“ werden im Kopf durchgespielt, ohne dass es darauf eine wirkliche Antwort gibt und geben kann. Die Folge: Das Default Mode Network wirkt belastend und versetzt unseren Körper in einen stetigen Stresszustand.

Gerade heutzutage treten solche negativen Gedankenspiele immer häufiger auf, bedingt durch unseren modernen Alltag. Dieser fördert Ängste vor sozialer Ausgrenzung und eine Reihe von anderen sozialen Phobien.

Mit Meditation und Achtsamkeit den Leerlaufmodus besänftigen

So negativ das DMN auch wirken kann, abstellen können wir es nicht und sollten wir es auch nicht. Stattdessen können wir aber lernen, den Leerlaufmodus unseres Gehirns besser zu kontrollieren und folglich zu besänftigen. Eine achtsame Lebensweise stellt dabei das effizienteste Werkzeug hierfür dar.
Die Achtsamkeit („Mindfulness“) befreit uns von dem Autopilot-Modus, in dem wir uns befinden, wann immer das DMN aktiv ist. Achtsamkeit führt zu einem Alltag, den wir bewusster erleben. Sie erlaubt uns im Hier und Jetzt zu bleiben, statt mit den Gedanken in die Vergangenheit oder Zukunft abzuschweifen. Idealerweise wird dabei jeder Moment bewusst wahrgenommen und eben nicht dem Autopilot-Modus überlassen. Die Folge davon ist, dass wir so deutlich öfter die Hirnregionen für bewusste Tätigkeiten in Anspruch nehmen und folglich die Aktivität des Default Mode Network einschränken. Dies ermöglicht uns ein „Leben im Moment“, das mit mehr Ruhe und Ordnung in unserem Inneren einhergeht. Das DMN wird dabei nicht komplett gelöscht, aber besänftigt, sodass es nur dann aktiviert wird, wenn wir es wirklich brauchen.

Erreicht kann Achtsamkeit am besten durch Meditation. Achtsamkeitsmeditation charakterisiert sich dabei etwas anders als andere Meditationspraktiken, da es bei der Mediation zum Achtsamkeitstraining weniger darum geht zu entspannen, sondern das Ziel ist, offen und präsent zu werden für alles was um uns herum und in unserem Inneren geschieht. Wir werden so also empfänglich für Empfindungen und äußere Impulse, die uns das DMN zuvor vorenthalten hat.

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Birgit Lang

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Achtsamkeit
Was ist es wirklich?

Wenn wir von Achtsamkeit sprechen, dann meinen wir damit im alltäglichen Sprachgebrauch meistens, einen Zustand der Vorsicht, im Sinne von „achtgeben“. Doch Achtsamkeit hat auch eine darüber hinaus gehende Bedeutung. Abgeleitet von der entsprechenden englischen