Wann immer wir Aufgaben erledigen und Handlungen ausführen, bei denen wir nicht konzentriert oder fokussiert sein müssen, schaltet unser Gehirn in den „Autopilot-Modus“. In unserer schnelllebigen Zeit, die oft von Stress, Hektik und Routinen geprägt ist, kann es durchaus vorkommen, dass wir einen Großteil unserer Zeit in diesem Zustand verbringen. Warum wir uns damit nicht abfinden sollten und was wir tun können, um das Steuer wieder zu übernehmen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Unser Gehirn im Autopilot-Modus

Befindet sich unser Gehirn im Autopilot-Modus (auch als Default Modus bezeichnet), so lässt sich unser Verhalten als ferngesteuert und roboterähnlich beschreiben. Wir stehen morgens auf, frühstücken, putzen uns die Zähne, fahren zur Arbeit bzw. erledigen unsere täglichen Aufgaben, um abends völlig erschöpft auf’s Sofa zu fallen. Wir erleben diese, für uns alltäglichen, Tätigkeiten nicht, wir tun sie einfach, weil wir uns an sie gewöhnt haben. Selbstverständlich können wir all diese Aufgaben nicht bewältigen ohne zu denken oder etwas wahrzunehmen, doch diese Aufgabe übernimmt in dieser Zeit eben der Autopilot in unserem Gehirn, sodass es uns am Abend häufig so vorkommt, als wäre der Tag an uns vorübergegangen. Unterbrochen wird der Autopilot-Modus lediglich, wenn etwas Ungewöhnliches passiert oder wir mit einer schweren Aufgabe oder Situation konfrontiert werden.

Die Existenz des Autopilot-Modus entsteht aus der ultimativen Hauptaufgabe unseres Gehirns heraus, nämlich uns am Leben zu erhalten. Wir müssen nicht daran denken zu atmen, zu verdauen, unseren Stoffwechsel am Laufen zu halten oder alltägliche Bewegungsabläufe zu koordinieren. All das wird von unserem Gehirn völlig automatisch erledigt. Doch neben diesen lebensnotwendigen Grundfunktionen, versucht unser Gehirn auch darüber hinaus gehende Abläufe zu automatisieren, indem es immer wieder gleich ablaufende Handlungen speichert und für diese, ganz im Sinne der Ressourcenschonung, weitgehend den Autopiloten verwendet. Ein Beispiel: Der erste Tag in einem neuen Job macht uns nervös und bleibt daher in Erinnerung. Mit der Zeit wird der tägliche Gang zu dieser Arbeitsstelle aber zum Alltag und irgendwann erledigen wir zu großen Teilen nahezu automatisch. Auch ein routinierter Klavierspieler kann irgendwann problemlos ein kompliziertes Musikstück spielen, ohne sich besonders darauf konzentrieren zu müssen. Das Gehirn kann also durchaus auch sehr komplexe Aufgaben im Autopilot-Modus erfüllen. Fakt ist, je öfter wir eine bestimmte Tätigkeit ausführen, umso weniger tun wir dies bewusst.

Pro und Contra Autopilot

Der Autopilot verschafft unserem Gehirn also durchaus Vorteile. Durch die freiwerdenden Kapazitäten wird es deutlich leistungsstärker. Im bewussten Modus verarbeiten wir Informationen lediglich mit 20 bis 50 Bit pro Sekunde, während wir dies im Autopilot-Modus mit unglaublichen 11 bis 12 Millionen Bits pro Sekunde tun. Durch diese „Einsparung“ von Ressourcen wird unser Gehirn unter anderem deutlich reflexiver und kann beispielsweise schneller auf Gefahrensituationen reagieren. Aber nicht nur das, ohne Autopilot-Modus bliebe unserem Gehirn schlichtweg nicht genug Energie und Leistungsstärke übrig, um für uns lebensnotwendige Prozesse auszuführen.

Bei alle diesen Vorteilen, gibt es jedoch auch eine Kehrseite, die sich besonders in der heutigen Zeit immer stärker bemerkbar macht. Verlaufen die Tage zu sehr nach Routine, so fangen wir irgendwann an nur noch zu funktionieren und erleben die Gegenwart nicht mehr richtig. Wir erledigen den Alltag so automatisiert, dass wir nicht mehr wahrnehmen, was rund um uns passiert. Dadurch bleibt viel auf der Strecke, was für ein gesundes und vor allem glückliches Leben essentiell ist. Dies schlägt sich zunächst auf unsere Psyche nieder und kann in weiterer Folge auch zu körperlichen Problemen führen. Wir fühlen uns müde und ausgelaugt, haben wenig Lust uns zu bewegen und verlieren dadurch die Lust an Dingen, die unserem Geist und Körper guttun. Die gute Nachricht ist jedoch, dass wir einiges dazu beitragen können, diesen Kreislauf zu durchbrechen und wieder bewusst zu „erleben“ anstatt einfach nur zu „überleben“.

 Mit Achtsamkeit gegen das Leben im Autopilot-Modus

Obwohl der Autopilot unseres Gehirns also durchaus hilfreich und sogar lebensnotwendig ist, sollten wir aktiv daran arbeiten, ihm das Steuer – und somit die Kontrolle über unser Leben – nicht gänzlich zu überlassen.

Die Wunderwaffe im Kampf gegen den Autopiloten lautet Achtsamkeit. Doch was so banal klingt, ist nicht immer einfach umzusetzen. Zu sehr sind wir oft in unseren täglichen Routinen gefangen, erledigen und erleben wir unseren Alltag, wie etwas, über das wir keine Kontrolle haben.

Das Prinzip der Achtsamkeit (Mindfulness) setzt genau hier an. Es charakterisiert sich durch ein bewusstes Erleben von Situationen und der Wahrnehmung der eigenen Gefühle und Regungen in genau diesem Moment. Es geht dabei auch darum, Situationen nicht zu bewerten, sondern einfach im hier und jetzt zu erleben. Naturgemäß fällt uns dies in außergewöhnlichen Momenten leichter als mitten im stressigen Alltag, doch mit ein wenig Übung, kann es uns durchaus gelingen, den Großteil unser Zeit wieder achtsam zu verbringen und den Autopilot-Modus zu reduzieren.

Die aus dem Buddhismus stammende Lehre und das dazugehörige Achtsamkeitstraining ist mittlerweile auch in der Schulmedizin angekommen und wird unter anderem in der Therapie bei Burnout, Depressionen, Angstzuständen aber auch bei chronischen Erkrankungen und damit verbundenen Schmerzzuständen erfolgreich angewandt.

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Birgit Lang

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Achtsamkeit
Was ist es wirklich?

Wenn wir von Achtsamkeit sprechen, dann meinen wir damit im alltäglichen Sprachgebrauch meistens, einen Zustand der Vorsicht, im Sinne von „achtgeben“. Doch Achtsamkeit hat auch eine darüber hinaus gehende Bedeutung. Abgeleitet von der entsprechenden englischen